Die Entscheidung „Privat oder Kasse?“ soll auf der Basis einer exakten Lebensplanung beruhen. Allerdings ist es zweifelhaft, ob sich die individuelle Berufsbiografie, die gesetzlichen Bedingungen für Krankenversicherungen und die wirtschaftliche Entwicklung der privaten Versicherungsunternehmen heute noch solide abschätzen lassen.
Für einen gutverdienenden Angestellter, ohne Familie, ist ein Wechsel in die private Krankenversicherung sehr empfehlenswert. Anders sieht es aus beim alleinverdienenden Familienvater mit Ehefrau und zwei Kindern.
In der gesetzlichen Krankenversicherung sind alle Angehörigen ohne eigene Einkünfte kostenlos mitversichert, bei der privaten Krankenversicherung muss für jeden einzelnen ein eigener Vertrag abgeschlossen werden. Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen Frauen während der Mutterschutzfrist und im Erziehungsurlaub in der PKV den vollen Beitrag und bekommen kein Krankengeld für die Tage der Freistellung zur Pflege kranker Kinder.
Privat oder Kasse? Wichtige Eckpunkte sind die Lebensplanung, die Anzahl der Kinder und die Höhe des Familieneinkommens. Als grobe Orientierung können folgende Empfehlungen dienen:
- Ehepaare mit mindestens einem Kind, bei denen nur einer erwerbstätig ist: GKV
- Ehepaare mit mehr als zwei Kindern, bei denen einer oder beide Partner erwerbstätig sind: GKV
- Ehepaare mit einem oder zwei Kindern, wenn beide Partner erwerbstätig sind: PKV oder GKV je nach individueller Konstellation
- Ehepaare ohne Kinder, wenn beide Partner erwerbstätig sind: PKV
- Ehepaare ohne Kinder, wenn nur einer erwerbstätig ist: PKV oder GKV, je nach individuelle Konstellation
- Unverheiratet ohne Kinder: PKV oder GKV
- Unverheiratete mit einem oder mehreren Kindern: GKV
- Selbständige, die bisher pflichtversichert waren: GKV
- Ehepaare mit Kindern, bei denen einer selbständig, der andere unselbständig jeweils mit einem Einkommen unter der Bemessungsgrenze arbeitet: GKV
- Beamte: in der Regel PKV, da sie aufgrund der staatlichen Beihilfen nur noch die Restkosten versichern müssen.
Bei einem Wechsel in die private Krankenversicherung muss man die Zukunftspläne einbeziehen.
Besonders zwei Faktoren dürfen nicht übersehen werden:
- das aktuelle und das zukünftige Einkommen
- sowie Familienplanung.
Die private Krankenversicherung ist sehr interessant für folgende Gruppen:
- junge Leute (bis Mitte 30) mit entsprechendem Einkommen
- Ledige, die über die Beitragsbemessungsgrenze verdienen
- Ehepaar ohne Kinder, beide berufstätig
Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung, müssen Kinder und Lebenspartner separat versichert werden beim mehr verdienenden Elternteil. Ausnahme bei Ehepaaren, deren Partner beide erwerbstätig sind: ist der Höherverdienende privat versichert, verdient jedoch unter der Beitragsbemessungsgrenze, kann das Kind in der GKV des Partners kostenlos mitversichert werden.
Bei Selbständigen mit dauerhaft niedrigen Einnahmen kann die freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse günstiger sein.
Beamte und ihre Familien bekommen fast immer günstigeren Schutz bei der privaten Krankenversicherung. Sie müssen nur einen Teil ihrer Heilkosten versichern- einen Teil, die sogenannte Beihilfe, übernimmt immer der Dienstherr.
Eine private Krankenversicherung ist besonders interessant für diese Gruppe, weil es keinen Zuschuss zum Krankenkassenbeitrag wie bei Angestellten gibt. Bleibt ein Beamte gesetzlich versichert, muss er den vollen Beitrag bezahlen.
Das Alter, gehört zu den wichtigsten Faktoren der privaten Krankenversicherung.
Je früher sich man privat versichert, desto günstiger wird es für den Versicherten. Arbeitnehmer, der in den Ruhestand geht, verliert den Zuschuss seines Arbeitgebers, erhält an dessen Stelle einen Zuschuss von der Rentenversicherung. Der Zuschuss beträgt 6,25% der Altersrente. Ein Teil der eingezahlten Beiträge wird angesammelt für die Alterungsrückstellung, mit der die Prämie, und vor allem die zukünftigen Prämienerhöhungen gemindert werden können. Zusätzlich gibt es seit dem 01.01.2000 einen 10%igen Beitragszuschlag, der ausschließlich der Beitragsentlastung im Alter dient. Ab dem Alter 65 werden die angesammelten Mittel zur Finanzierung von Beitragsanpassung verwendet. Für den gesetzlichen Beitragszuschlag besteht eine Arbeitgeberzuschussfähigkeit.
Nicht zuletzt sind die negativen Auswirkungen der Gesundheitsreform für immer mehr Menschen ein Grund, sich privat zu versichern. Durch die gesetzlichen Änderungen und Gesundheitsreformen in der gesetzlichen Krankenversicherung können die aktuellen Leistungen in der Zukunft nicht garantiert werden und unterlegen negativen Beeinträchtigungen. Man merkt, dass die Gesundheitskosten überproportional zu den allgemeinen Lebensunterhaltungs-Kosten steigen. Die steigenden Kosten der privaten Krankenversicherung kann man mit immer höherer Lebenserwartung der Menschen und längeren Behandlungszeiten durch die neuen medizinischen Methoden begründen. Die Behandlungsmethoden werden immer anspruchsvoller und damit kostenintensiver.